Früher gehörte es zum guten Ton, einen Sonnenschirm bei sich zu haben – besonders in gehobeneren Gesellschaftskreisen. Die Dame von Welt führte so jederzeit ein kleines Schirmchen bei sich, das genauso den Moden unterworfen war wie die restliche Kleidung. Sonnenschirme waren also ein tragbares Utensil wie es heute die Regenschirme sind. Mit dem Ersten Weltkrieg verschwand nicht nur der Adel aus weiten teilen Europas, sondern spätestens jetzt auch die Vorliebe für tragbare Sonnenschirme. Blässe war nun nicht mehr modern und von UV-Strahlung wusste man noch nicht viel, zumindest nichts schlechtes – wozu also Sonnenschirme.
Als die Deutschen nach dem 2. Weltkrieg das Reisen entdeckten, wird sich der ein oder andere gewundert haben, warum in Italien am Strand Schirme rumstanden, wollte man selbst doch vor allem braun werden. Naja, die meisten Deutschen sind vermutlich erstmal sehr schön rot geworden. Erst in den 1980er Jahren entstand wieder ein Bewusstsein für Sonnenschutz, da die Wissenschaft die Wirkung von UV-Stahlen entdeckte und sich gleichzeitig über Teilen der Erde ein Ozonloch auftat. Hautkrebs war nun in aller Munde und der ein oder andere legte sich fortan wieder freiwillig unter einen schützenden Sonnenschirm. Doch trendig oder zeitgemäß galten solche Schirme noch keinesfalls. Sonnenschirme waren eben bunt, meist aus Plastik und spätestens Ende August hübsch dreckig oder wahlweise farblos geworden – ebenfalls dank der UV-Strahlung. Mehr Design und Anspruch brachten erst neue Sonnenschirme ab den 90er Jahren, die zuerst im gehobenen Gastronomieumfeld auftauchten. Zu loungigen Terrassenmöbeln gab es nun quasi passende Schirme, stabil gefertigt, hochwertig im Aussehen und in der Verarbeitung. Ein Typ Schirm, der sich seitdem immer stärker im privaten Umfeld durchsetzt. Wer den Platz und die Möglichkeit dazu hat, stellt sich einen Ampelschirm oder einen Großschirm auf den Balkon oder in den Garten. Als fest installierte, große Variante hat der Sonnenschirm somit ein Comeback erlebt.